Ob Gläser, Medaillien oder Punkte; es existiert eine Vielzahl von Bewertungssystemen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen. Kein System ist perfekt, doch die Kenntnis über Vor- und Nachteile vermeidet Missverständnisse. Ein gleiches Ranking bedeutet eben nicht immer vergleichbare Qualität.
Das Standartwerk in Bezug auf italienischen Wein verwendet vier Bewertungsstufen. Von einem bis drei Gläser sowie die Erwähnung für überdurchschnittliche Weine. Ein grundsätzliches Problem der Bewertungssysteme mit wenigen Stufen liegt in der zu geringen Ausdifferenzierung. In den einzelnen Kategorien finden sich Weine zusammengefasst, die auf einer 100-Punkte Skala bis zu 20 Punkte auseinanderliegen würden.
Beim Guide Hachette finden sich fünf Wertungen: Von einem bis drei Sterne werden die Weine nach ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet. Erhält ein Wein das Prädikat „cité“ (Erwähnung), dann ist dieser überdurchschnittlich. Darüber hinaus stellt „Coup de Cour“ (Lieblingswein) innerhalb des Guide Hachette die höchste Auszeichnung dar. Der Nachteil besteht darin, dass Weine unterschiedlicher Preisklassen kaum vergleichbar sind. Das Verhältnis zwischen einem 3-Sterne Weine für zehn Euro zu einer 40 Euro Flasche, die mit einem Stern bewertet wurde, ist ohne Kenntnis der Weine kaum ermittelbar.
Ein ebenfalls fünfstufiges System. Jedoch werden alle Weine einheitlich zwischen einem (gut) und fünf Sternen (ausgezeichnet) zugeordnet. Für junge Bordeauxweine verwendet Alan Winkleman ein 10-Punkte System. Der Nachteil besteht darin, dass fünf Stufen zu wenig sind, um die Qualität der Weine entsprechend ihrer Leistung auszudifferenzieren.
Hier wird ein 20-Punkte System angewandt. 15 Punkte sind gut, 16 sehr gut, 17 groß, 18 außerordentlich, 19 Spitzenwein und 20 Jahrhundertwein. Wie bei den fünf-stufigen Systemen fehlt die nötige Ausdifferenierung. Ob ein Punkt mehr oder weniger vergeben wird, macht einen großen Unterschied.
Winenthusiast, Winespectator, WineAdvocate
In diesen Zeitschriften wird die 100-Punkte Skala verwendet, die allerdings erst bei 50 anfängt. Besonders Robert Parkers WineAdvocate beeinflusst maßgeblich die Preise der Weine, insbesondere in der Bordeaux Subskription, des Kaufs von Weinen, wenn diese noch in den Fässern schlummern. 80-84 Punkte sind überdurchschnittlich, 85-89 Punkte sehr gut, 90-95 Punkte outstanding, 96-100 Punkte außerordentlich. Diese Skala ist sehr ausdifferenziert. Geringe Punktunterschiede sind erst in den höchsten Punktregionen entscheidend.
Eine modifizierte 100-Punkte Skala. 80-85 Punkte sind gut, 86-89 Punkte sehr gut, 90-94 Punkte exzellent, 95-100 Punkte exzeptionell. Auch diese beginnt bei 50 Punkten. Zu der üblichen Punktzahl werden weitere Extrapunkte gesondert angezeigt, die trinkbare Tage nach der Flaschenöffnung anzeigen. Doch hier muss darauf geachtet werden, dass die Zahl trinkbarer Tage mit dem Alter abnimmt.
Grundsätzlich haben alle Bewertungssysteme Vor- und Nachteile. Jeder Weintrinker muss für sich selbst erproben, mit welchen Verkostern er am ehesten die gleiche Meinung vertritt. Dazu kann auch eine Skala mit wenigen Stufen genügen. Die Hauptsache ist, dass es am Ende schmeckt!





